Persönlichkeiten der Ortschaft Lütmarsen

Geschwister-Waßmuth

Einweihung des Geschwister-Waßmuth-Weg in Lütmarsen am 12. Juni 2004

Am vergangenen Samstag fand die offizielle Einweihung des „Geschwister-Waßmuth-Weg" in Lütmarsen statt. Der Initiator Ulrich Menter begrüßte die zahlreichen Gäste. Auch Bürgermeister Hermann Hecker sprach ein Begrüßungswort und schritt gleich zur Tat: Er enthüllte das neue Straßenschild. Anschließend informierte Ortsheimatpfleger Karl-Josef Kruse über das Leben der Geschwister Waßmuth und ihr großzügiges Vermächtnis. Die Geschwister Waßmuth vermachten ihr gesamtes Vermögen nach einem arbeitsreichen Leben der Kirchengemeinde Lütmarsen. „Sie führten ein bescheidenes Dasein, lebten nur von der Landwirtschaft und verdienten sich ihr Geld mit dem Milchverkauf. 

Nach einem arbeitsreichen und bescheidenen Leben, starb  am  15. Juni 1971 Josef Waßmuth an Altersschwäche im Alter von 79 Jahren. Sein ganzes Vermögen, Haus, 12 Morgen Land und 45.000 DM Ersparnisse vermachte er der Kirche.

Quelle: Firma Menter

Pastor Anton Spieker (1880-1941)

Seit einigen Jahren gibt es am Ortseingang Lütmarsen den Pastor Anton Spieker Weg. Pastor Anton Spieker wurde am 5. Februar 1880 in Lütmarsen geboren. Nach dem Abitur machte er in den Jahren 1900 bis 1902 eine Maurerlehre. Anschließend leistete er seinen Grundwehrdienst und arbeitete bis 1906 als Maurer. In den Folgejahren studierte er in Holland Theologie und Philosophie. 1912 wurde er dann feierlich zum Priester geweiht und in den Kriegsjahren von 1916 bis 1918 wirkte er als Seelsorger in einem Internierungslager in der Schweiz. Für seine Verdienste im Lager wurde er mit der Rot-Kreuz-Medaille ausgezeichnet. Bis 1923 blieb Pastor Spieker im Bereich der Seelsorge in der Schweiz tätig und im Jahr 1934 wurde er als Vikar nach Espeln (Hövelhof) berufen. In Espeln war er bis zu seiner Verhaftung durch die Nazis als Seelsorger tätig.

Aufgrund seiner unerschütterlichen Haltung gegenüber den Machthabern des sogenannten Dritten Reiches wurde er ein Opfer nationalsozialistischer Willkür. Am 7. Juni 1940 wurde  von den Natzionalsozialisten „Siegesläuten“  angeordnet. So sollten, wie in allen anderen Kirchen des Reiches auch in Espeln die Glocken an drei aufeinanderfolgenden Tagen ab 12.00 Uhr für jeweils 15 Minuten als Zeichen des Sieges läuten. Pastor Anton Spieker weigerte sich, dieser Anordnung der Nazis zu folgen und wurde daher am 20. Juni 1940 von der Gestapo verhaftet.

Die Anklage des Sondergerichts warf ihm folgendes vor: "fortgesetzte, öffentlich, gehässige, hetzerische und von niedriger Gesinnung zeugende Äußerungen über leitende Persönlichkeiten des Staates und der NSDAP gemacht zu haben“.

Dieses wurde als  Vergehen gegen das Gesetz und als heim- tückischer Angriff auf den Staat und Partei gewertet. Das Gericht in Dortmund verurteilte Anton Spieker zu Gefängnishaft, welche er nicht überlebte , am 9. März 1941 starb Pastor Spieker auf ungeklärte Weise in einem Gefängnis in Bochum.

Mit dem Straßennamen wurde in Lütmarsen, wie auch in anderen Gemeinden ein Mensch und Seelsorger geehrt.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Webmaster der Gemeinde Espeln Ch. Schlingmann für die tolle Zusammenarbeit und die freundliche Unterstützung.

Lehrer Anton Finke (1895-1968)

Lütmarsen, am Montag den 28. Oktober 1968:

Lehrer Anton Finke ist tot. Ein tragischer Verkehrsunfall hat seinem Leben ein Ende gesetzt. Das letzte Lied, das er als Organist für den Gottesdienst am Dienstagmorgen in der erst seit wenigen Monaten fertiggestellten neuen St. Marien Kirche bereits angeschlagen hatte, aber nicht mehr spielen konnte, war der Choral „Zu Gott erhebt sich meine Seel‘ und tut auf ihn vertrauen…“

Am 18. Februar 1895 in Büren Kreis Paderborn geboren, bereitete sich Anton Finke nach Absolvierung der Schulzeit auf den Lehrerberuf vor. Nach dem 1. Weltkrieg 1914-18, an dem er als Infanterist an der Westfront in Nordfrankreich leidvoll teilnahm, trat er 1919 seine erste Lehrerstelle in Altenbergen an. Nach 12 Jahren, am 1. November 1931, zog er mit seiner Familie nach Lütmarsen um, bezog die Lehrerwohnung im Schulhaus und wurde Lehrer in Lütmarsen. In der Zeit der Diktatur Hitlers trat er unentwegt für die Belange der katholischen Schule ein und verzichtete aus dieser Einstellung heraus auf jegliche Beförderung. Vier Wochen vor Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 bezog die Familie einen Neubau in der heutigen Feldstraße, nachdem die Lehrerwohnung durch Fledermausbefall im Dachboden und damit verbundenen Wanzen unbewohnbar geworden war. 1963 gab er im 68. Lebensjahr den aktiven Schuldienst auf und trat in den Ruhestand.

Was er über den Schuldienst hinaus für die Gemeinde Lütmarsen getan hat, ist kaum mehr zu ermessen. Die Gestaltung von Festen, Übungsstunden mit Laienspielgruppen, Volkstanz- und Instrumentalgruppen lagen bei ihm in bewährten Händen. So sei es sein Verdienst gewesen, dass man Lütmarsen als das „singende, klingende Dorf“ bezeichnete. Die Volkstanzgruppe war über die Kreisgrenzen hinaus bekannt. Eine Schüler-Blaskapelle war des Lehrers Stolz. Und was er bei der Schuljugend aufbaute, setzt er bei der liedfreudigen Erwachsenenwelt des Dorfes fort. Er war Dirigent des gemischten Chores St. Ansgar, seit 1931 Dirigent des Männergesangvereins Cäcilia und mit viel Herzblut Organist in der St. Marien Kirche.

Pfarrvikar Weber sagte von Lehrer Finke während seiner Ansprache bei der Trauerfeier in der Kirche am Allerheiligentag 1968, wenn Treue und Pflichtbewusstsein heute noch Geltung hätten, dann bei dem Verstorbenen. Es sei beispielhaft gewesen, wie er das Amt des Organisten ernst nahm und wie er immer wieder bereit gewesen sei, die liturgischen Feiern durch Beiträge des Gesangvereins zu verschönern. Dass dieser aus christlichem Geist lebende Mensch am Fest Allerheiligen zu Grabe getragen werde, bedeute sicher mehr als einen Zufall.

Quelle, Text und Bilder: Michael Finke, Mai 2015